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Zwei Zimmer sollten neu tapeziert werden. Zimmer ausräumen, hieß es. Der Anstreicher ließ sich Zeit. So konnte ich überlegen, was ich wirklich noch brauche, was mir wichtig ist und was ich aussortieren sollte. Regale mit Büchern vollgepackt – das war das Problem.

Meine Devise lautete: Bücher, die ich seit zehn Jahren nicht mehr angepackt hatte, die könnten abgestoßen werden. Also zügig beginnen. Beim ersten Einpacken begann schon das Zögern und Abwägen. Mir kam der Gedanke: Wenn ich jetzt sterbe, was kommt dann auf die zu, die meinen Haushalt auflösen müssen. Grauen packte mich. Nun ging es schneller. Hunderte von Büchern konnte ich loslassen. Nach dem Aufräumen und Loslassen konnte ich erleichtert aufatmen.

Ich hatte Platz und Raum gewonnen, außen wie innen. Es kam mir vor wie eine gute Einübung für die Fastenzeit: Wo steht bei mir ein geistiges und inneres Aufräumen und Loslassen an, fragte ich mich. Finde ich in diesen Tagen Zeit, um in Ruhe auszusortieren und loszulassen? Was von meinen Aufgaben, Zielen oder meiner Lebensform ist noch wichtig? Was kann ich getrost davon sein lassen? Was muss ich unbedingt beibehalten und was sollte ich neu beginnen?

Drei Formen von Frömmigkeit, auf denen der Segen Gottes liegt, nennt die Bibel: Almosen geben, Beten und Fasten. Also offen sein für die Anliegen und Bedürfnisse der anderen, Gottes Wort in den Mittelpunkt stellen und Energie frei setzen für den seelisch-geistigen Bereich.

Aufräumen und Loslassen - diese Aktivitäten können helfen beim Almosen geben, beim Beten und Fasten. Und die Bibel sagt: Dann wirst du den Segen Gottes erfahren. Meine Seele wird dann neu tapeziert, alles wird heller, schöner und wohnlicher.

Werden wir in diesen Tagen unser eigener Malermeister, dann können wir an Ostern erleichtert aufatmen, neues Leben in uns spüren.

 

Pastor Georg Koch

    

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