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Tageslichttauglich - ein Wort, das uns nicht mehr sehr geläufig ist. Es meint, dass man sich am helllichten Tag sehen lassen kann. Tageslichttauglich – ein Mensch oder eine Überzeugung soll vorzeigbar sein, schön, ansehnlich. …

Tageslichttauglich – Könnten wir das nicht auch auf unseren Glauben anwenden? Solange wir unser Christsein irgendwie verschämt zuhause einsperren und uns kaum damit vor die Haustür trauen, solange ist der Glaube eben alles andere als tageslichttauglich. Wir schämen uns, ihn öffentlich zu zeigen. Nur im stillen Kämmerlein, aber da verkümmert er vor sich hin. Der Glaube braucht auch frische Luft und freien Ausgang, er möchte gerne mit unter die Leute genommen werden. Dass wir an Gott glauben, das muss so attraktiv und anziehend sein, finde ich, dass wir damit gerne aus uns herausgehen. Und wenn uns jemand anspricht und fragt: „Hallo, was hast du denn da bei dir?“, dann soll es uns nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben, sondern wir sollten sagen: „Darf ich vorstellen, das ist mein Glaube. Der gehört zu mir, wir sind ernsthaft zusammen und wollen es auch bleiben!“ Alles, was sich nicht als tageslichttauglich erweist, taugt doch auch nichts, oder? Die Schönheit unseres Glaubens entdecken, ihn mit hinaus nehmen und gerne zu ihm stehen, das wäre ein großes Ziel, das unserer ganzen Umgebung gut täte. …

Ich hoffe, dass in diesen Tagen, in denen das Licht wieder mehr zunimmt, unser Glaube erneut tageslichttauglich wird, dass wir ihn mit Freude vorzeigen.

Pastor Georg Koch

 

©Georg Koch, Zwischenrufe. Briefe an eine E-Mail-Gemeinde, Pallotti Verlag, Nr. 74

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