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„Ostern besagt: Man kann die Wahrheit kreuzigen und ins Grab legen; sie bleibt aber nicht drin“ (nach Clarence Hull). Auf das Pfingstfest bezogen, heißt es dann vielleicht so:

„Pfingsten besagt: Man kann die Liebe abwehren oder aussperren; aber sie bleibt nicht draußen!“ Sie bleibt nicht draußen. Sie will absolut nicht draußen bleiben. „Durch den Heiligen Geist ist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen!“ (Röm 5,5) Wie das Licht durch jede Ritze leuchtet und Wasser sich jeden Riss sucht, so nützt die Liebe Gottes den geringsten Zwischenraum, um in uns wenigstens durchzusickern und, wenn es geht, einzuströmen.

Die Liebe aussperren? Das kann es doch nicht geben!? Wonach hat der Mensch mehr Sehnsucht als danach, zu lieben und sich lieben zu lassen? Und doch müssen wir um Liebe werben und uns selber zum Lieben überzeugen lassen. … Liebe strömt, aber Liebe arbeitet sich auch mühsam durch. Vielleicht sind wir liebesscheu, weil wir auch manchmal arbeitsscheu sind.

Pfingsten – zusammen mit Karfreitag und Ostertag – sagt: Gott ist nicht liebesscheu und ist nicht arbeitsscheu. Und vor allem: Er will sich nicht aussperren lassen.

Im „Obergemach“, wo die Jünger sich „aus Angst vor den Juden“ versammelt und verrammelt hatten, ließ sich Jesus als Auferstandener und zugleich als Pfingstbote nicht aussperren. Er trat in die Mitte der Seinen und hauchte sie an: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Wo der Auferstehungs-Hauch die Angst-Barrieren durchdringt oder auch einmal ein Pfingst-Sturm Bollwerke zum Einsturz bringt, da ist Liebe, da ist Geist, da ist Pfingsten. Und Pfingsten besagt: Man kann die Liebe abwehren oder aussperren; sie bleibt aber nicht draußen!

Nach Willi Lambert SJ in: Leben im Rhythmus des Kirchenjahres

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